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Das Geheimnis der Schwarzälder Kuckucksuhr...

Zum Kuckuck noch mal....    Ausflugstipp: Kuckucksuhren

Kaum ein anderer Einzelbegriff hat zur Bekanntheit des Schwarzwalds so beigetragen, wie die Kuckucksuhr, auch Schwarzwalduhr genannt.

Wer kennt sie nicht? Wer hat nicht als Kind einmal staunend vor einer Kuckucksuhr gestanden und auf "das Vögelchen" gewartet? Die Kuckucksuhr ist sicher *das* klassische Souvenir für Touristen, nicht nur für Urlauber im Schwarzwald, sondern sogar in ganz Deutschland. Kluge Souvenirhändler in ganz Deutschland halten wenigstens eine Version für Touristen aus Übersee bereit...

Dabei war die Kuckucksuhr eigentlich so eine Art Notbehelf, über deren Ursprung sich aber heute Dörfer und Familien im Schwarzwald streiten. Der Erfolg hat eben viele Väter und Mütter... Gemeinden wie St. Märgen, Villingen, Waldkirch oder Neustadt buhlen um Anerkennung als Wiege der Kuckucksuhr, die Wahrheit ist, wie so oft, natürlich: so genau lässt sich der aller erste Ursprung nicht auf eine Person oder einen Ort festlegen. Beginnen wir also mit der ersten urkundlichen Erwähnung der Kuckucksuhr.

Pater Franz Steyrer nennt in seiner Schrift über die Uhrenkunst St. Märgen, den Bauer Frey-Lorenz aus den dortigen Spirzen und das Jahr 1667. Eine definitive Bestätigung dieser Quelle gibt es freilich nicht, aber wer wollte das Wort des Kirchenmannes bezweifeln? Dies muss andererseits nicht der tatsächlich erste Ursprung sein, gibt aber zumindest einen ungefähren Zeitrahmen.

Wie die Fabel will, so brachten irgendwann Glasträger von ihren langen Wanderungen Kenntnisse über die Uhrentechnik mit. Immerhin datiert die herrliche Uhr des Straßburger Münster bereits auf das Jahr 1352. Dieses Meisterwerk hat sicherlich zur Verbreitung der Uhren, in der ein oder anderen Form, beigetragen. So mag nun ein Uhrwerk seinen Weg in den Schwarzwald gefunden haben, irgendwann in der Zeit um den 30 Jährigen Krieg. Ein Schwarzwälder Bauer, Glasträger oder wahrscheinlicher sogar ein "Schnefler" (Holzschnitzer) entwickelte dann den Prototyp der Kuckucksuhr, auf der Suche nach einem Nebenerwerb für die harten Wintertage. Und so, aus einer Not heraus quasi, entstand die Kuckucksuhr.

Eine Schwarzwälder Form des Goldrausches setzte dann ein: in jeder Karte, in jedem Haus, auf jedem Bauerhof wurden solche Uhren hergestellt, in einer grossen Vielfalt. Es dauerte dann gar nicht so lange, bis auch die feinen Söhne der Großbauern die Kuckucksuhr als Geldquelle erkannten. Kleine, mittlere und grosse Gewerbe entstanden und regelrechte Monopole entwickelten sich. Die kleinen Bauern hatten schliesslich bestenfalls noch Aussenseiter-Positionen und durften hier und dort zuliefern. Andererseits entstanden eine Menge Arbeitsplätze.

Selbst die Tourismusindustrie wurde von der Kuckucksuhr beeinflusst. Die "St. Märgener Kompagnie" beherrschte den Export nach England. Dadurch kam es, dass später erste Touristen, aus England, in die Region St. Märgen kamen. Schliesslich war ein Drittel aller Haushalte in oder für die Uhrenindustrie tätig. Die ehemaligen Glasträger trugen nun eine zeitlang die Uhren auf ihren "Krätze" (Tragegestell) in alle Welt, bis dann andere Transportmittel diese Menschen ersetzten. Diese Wanderhändler beeinflussten dann wieder die Entwicklung der Uhr, da sie neue Erkenntnisse über Materialien und Techniken von den Wanderungen mitbrachten.

Der Hinterzartener Jakob Hebenstreit vom Jockeleshof entwickelte vielbeachtete Miniaturuhren, die Jockeles-Uhren, und irgendwann dann wurden die Uhren bevölkert mit Männchen, Weiblein, Figuren aller Art, die allerlei Aktivitäten ausführten, gesteuert durch den Takt des Pendels. Die Sage will es, dass dann irgend jemand versuchte, das Krähen des Hahnes auf dem Straßburger Münster zu imitieren. Es entstand dann: der Ruf des Kuckucks! Aus der vormals Schwarzwälder Uhr wurde die Kuckucksuhr, der absolute Verkaufsschlager und Markenzeichen des Schwarzwalds überhaupt.

Die Industrialisierung wurde vorangetrieben. Viele 100.000 solcher Uhren wurden produziert und vertrieben. Die eigentlichen Tüftler und Erfinder verarmten derweil, denn sie konnten preislich nicht mithalten und hatten auch die Vertriebswege nicht zur Verfügung. Ihre Nachkommen verdingen sich bis heute in der Uhrenindustrie, die allerdings ihrerseits durch asiatische Konkurrenz teilweise schon wieder auf andere Industrieprodukte umgestiegen ist. Um 1990 wurden pro Jahr ca. 60 Mio. Uhren im Schwarzwald produziert. Kein Wunder also, dass dieses Produkt eine solche Bekanntheit hat!

 

 

 

 

 

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